man
sprach
von
bränden
ralph
tharayil
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wir gehen zu zweit zu dritt zu fünft hauptsache nicht allein wir marschieren durch die landschaft und sprechen in unser telefon hier musste irgendwo das mahnmal stehen von dem unsere großmutter uns erzählt hatte erzählen wir uns und spucken einen kern aufs feld wir können nicht erkennen wo er landet wie der horizont liegt alles brach wir gehen und sprechen ein langgedicht in unser telefon dessen worte so tun als wären sie ein zyklus dabei waren allerlei ketten unterbrochen ganze jahreszeiten entfallen wir suchen trost im übergang der sätze niederschlag im gesichtskreis das gehen fällt uns schwer wir können uns ganz aufs sprechen konzentrieren damals wurden wanderer und die wenigen noch fliegenden piloten leichter von unwettern überrascht die meisten verkehrsflugzeuge zeichneten auf der fahrt wetterdaten auf und sendeten sie per funk an die flugverkehrskontrolle meteorologen hatten weniger daten zur verfügung für ihre prognosen wer braucht schon hellseher wenn es keine blitze mehr gibt sagen wir uns und gehen weiter wir marschieren durch die landschaft und erzählen uns von unserer kindheit den einbrüchen in unsere keller sie hatten nichts mitgenommen nicht den fernseher und auch nicht das zeug zum musizieren nur die ventilatoren waren weg wir wollen querfeldein ein streit entbrennt wir sind keine sportler schreit jemand bis wir beginnen uns zu prügeln im verlaufe des nachmittags werden zelte aus haut aufgezogen einfacher niederschlag im wangenwald wir marschieren erzählen vom welken der reisfelder und davon dass es früher orte gab wo der einsatz des regens kein ereignis war wir erzählen uns dass wir als kinder nie wussten wo der schatten begann auch wenn unsere mutter immer wieder auf seine ränder zeigte wir wussten damals nur wie wir uns hinzulegen hatten damit wir dem licht nicht anheimfielen aber bald war das licht ausgefranst seine konturen wie eine welle an der küste der körper wir saßen auf wiesen und balkonen und am strand und bewegten uns weg von unserer haut so wurde sie nie dunkler heute stehen wir in der landschaft und würden noch immer nach wolken schauen wenn es welche gäbe früher erzählte man sich es hat seit wochen nicht mehr geregnet man sprach von bränden früher war alles besser sagt das telefon wir wollen es für immer wegstecken aber dann fällt uns ein dass wir es brauchen wir wollen etwas beobachten das wir ereignis nennen können damit wir verstehen dass zeit vergeht wir wollen etwas ereignis nennen ein mann der ein grab pflegt oder milch die verkocht aber da ist nicht mal plastik das weht im wind da ist nur das wir das sich geschehen macht wir halten abwechslungsweise das telefon es leuchtet in unserer mitte und nachts legen wir es uns auf die brust bis unsere haut zu brennen beginnt dann streicheln wir es wie einen kopf und geben es weiter wenn wir sprechen im schlaf hört das telefon mit und merkt sich alles außer den gedankenstrichen tagsüber liest es uns unsere träume vor wenn wir sie vergessen wir marschieren langsam über die mit tiefen furchen durchzogene hügelkuppe in der ferne meinen wir die umrisse des mahnmals zu erkennen wir atmen schwer es kommt uns vor als würden wir im kreis gehen das telefon frisst uns aus der hand als wir erzählen dass wir gewisse menschen nur über den hass anderer menschen kennen wir erzählen uns wie unsere großmutter uns von den regensommern erzählt hatte mit welcher beflissenheit wir in die pfützen gesprungen sind erzählte sie mit unseren blauweißen gummisandalen um den heraufziehenden sorgen des wintertiers zu entfliehen kommts rein sonst werdets krank hatten die mütter aus der küche gerufen und ihre messer gewetzt wir sind mittlerweile ein gutes stück vorangekommen mit dem gedicht aber je mehr wir ins telefon sprechen desto weniger antworten kriegen wir wenn der himmel verhangen wäre könnten wir den schweiß auf unserer stirn verstecken wir denken uns musikalische begriffe aus für unser sprechen wir denken uns eine kompilation aus denken an ein album wir haben durst lippen ohne niederschlag hinter uns regt sich etwas wir sagen dem telefon wenn es noch vögel gäbe wäre das geräusch ein falke der jagd auf dich macht von oben wird nichts mehr kommen antwortet das telefon es hat recht wir versuchen den krampf in unseren beinen zu vergessen jemand keucht wir breiten die zelte aus und wickeln uns ein wir können nicht rollen alles ist niedergeschlagen wir sammeln die spucke in unserem mund wir können schlucken die heuschrecken kamen von oben wollen wir dem telefon erwidern vielleicht ist es zu spät ein heuschreckenschwarm bestand aus einer wolke von mehreren milliarden tieren sie konnten so viel fressen wie sie wogen sie hätten sogar sich selbst fressen können sagen wir uns und vergessen für einen kurzen moment dass wir wissen wovon wir reden wir erzählen uns dass unsere großmutter das mädchen ist das im schwarm steht und mit einem geschirrtuch um sich schlägt das mädchen trifft eine heuschrecke und jubelt aber der schwarm ist so laut dass wir nicht mal ihre lippen lesen wollen versteht ihr jetzt was ein schwarm ist hatte unsere großmutter gefragt und wir nickten wir erzählen uns dass wir von anfang an wussten wohin wir wollten dass wir alles selber erfunden haben das feld die zelte unsere großmutter ihre geschichten die landschaft wird noch heller und wir tun so als wäre unsere lieblingsfarbe schon immer weiß gewesen wir marschieren querfeldein wir sprechen das langgedicht zu ende das telefon leuchtet auf wir stehen vor dem mahnmal das als baum verkleidet ist wir kennen seinen namen seine blätter wir kennen seine wurzeln nicht mit dem telefon zeigen wir unserer großmutter den baum und singen ein lied es klingt wie die lieder von früher april is the cruellest month breeding unsere großmutter singt mit das telefon nimmt das lied auf und klebt es ans ende unseres gedichts unsere großmutter winkt und wir winken zurück weil wir uns an die zeit erinnern wollen in der atmosphäre noch zählte wir legen auf und marschieren zurück wir hoffen dass wir zu zweit sind zu dritt hauptsache nicht allein.